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Was uns im Inneren zusammenhält

Autor

Kathrin Prax

Date

30.07.2020

Category

BODY

Tags

/HEALTH

Fakten über Faszien (1)

Das allseits beliebte Faszien-Rollen ist aus den meisten Fitnessstudios gar nicht mehr weg zu denken. Unsere Faszien liegen seit ihrer Wiederentdeckung voll im Trend und das ist auch sehr gut so. Denn immer mehr wird deutlich, dass die Faszien für unser körperliches Wohlbefinden und die Gesundheit eine bedeutende Rolle spielen. Die Faszien gibt es schon, solange es den menschlichen Körper gibt, aber das Wissen rund um die Faszie ist noch relativ neu. Medizinisch gesehen wurden die Faszien nämlich bisher wenig beachtet, da man ihre Eigenschaften in Bezug auf Gleitfähigkeit oder Spannkraft nicht messen konnte. Mittlerweile gibt es spezielle Ultraschalluntersuchungen, bei denen man die Faszien sichtbar machen kann und deshalb kann die Evidenz basierte Forschung nun beginnen.

 

Wo befinden sich unsere Faszien und woraus bestehen sie?

Fein elastisch und doch voller Spannkraft durchziehen und verbinden die Faszien wie ein scheinbar chaotisches Spinnennetz den ganzen Körper. Doch schaut man genauer hin, erkennt man eine Struktur und Unterteilung.

Es gibt die oberflächlichen Faszien, die sich direkt unter der Haut befinden und den gesamten Körper wie eine Strumpfhose oder Isolierschicht umhüllen. Die tiefen Faszien sind mit den oberflächlichen verankert, überziehen die Muskeln und umschließen in ihrem Inneren z.B. die einzelnen Muskelfasern. Dann gibt es noch die viszeralen Faszien, die unsere inneren Organe umhüllen. So entsteht ein riesiges Zugspannungsnetzwerk, das uns im Inneren zusammenhält und gleichzeitig für Beweglichkeit sorgt. Die Faszien können zwischen 0,3 und 3 mm dick werden. Sie passen sich im Laufe des Lebens an ihre lokalen Anforderungen an. Eine der dicksten und gut tastbaren Faszien ist z.B. die Fascia plantaris an unserer Fußsohle.

Die Faszien bestehen aus Bindegewebe. Die Zellen des Bindegewebes, die Fibroblasten, bauen Kollagenfasern auf, welche Zugspannungen entgegenwirken können. Überall zwischen den Fasern befindet sich die wasserbindende und als Schmiermittel und Kompressionsdämpfer wirkende Hyaluronsäure, die ja auch als Anti-Aging-Wunderwaffe bekannt ist.

 

Welche Funktion übernehmen die Faszien in unserem Körper?

Heißt es eigentlich die Faszie oder die Faszien? Eigentlich ganz egal – wichtig ist aber zu wissen, dass die Faszien eine Einheit bilden und als ein Organ in unserem Körper funktionieren. Da sich Schmerzrezeptoren und vegetative Nervenfasern in den Faszien befinden, reagieren sie auf Stress. Wird der Körper physisch oder auch psychisch gestresst, schüttet er spezielle Botenstoffe aus und die Faszien ‚verspannen‘. Bei Dauerstress fangen sie langsam an zu verfilzen – dies führt zu Schmerzen und Fehlhaltungen. Gesunde Faszien sind elastisch und fest zu gleich. Sie machen Bewegungen geschmeidig und beugen so Abnutzungserkrankungen im Körper vor. Sie schützen unsere Muskeln vor Verletzungen und erhalten die Belastbarkeit von Sehnen und Bändern. Die Muskeln arbeiten effizient, die Leistungsfähigkeit ist hoch und die Bewegungskoordination ist gut.

Ein Beispiel für die Funktion der Faszien ist das Thema Rückenschmerz. Viele, vor allem im Sitzen arbeitende Menschen, leiden unter chronischen und unspezifischen Beschwerden im unteren Rücken. Beim Arzt und in bildgebenden Verfahren wurden Erkrankungen an Wirbelsäule und Weichteilen ausgeschlossen; dennoch klagen die Patienten immer wieder über Rückenschmerzen. In neuesten Untersuchungen hat man festgestellt, dass bei solchen Patienten die Rückenfaszie, die Fascia thoracolumbalis, im Vergleich zu schmerzfreien Patienten in ihrer Gleitfähigkeit eingeschränkt ist. Bisher ist das allerdings nur eine Feststellung; geklärt ist noch nicht, ob das die Ursache für die Rückenbeschwerden ist.

Man geht davon aus, dass sich die Faszien als verschiedene Ketten von Kopf bis Fuß, gerade und diagonal, durch den Körper ziehen und uns so in einer aufrechten Position halten. Praktisch kann man diese Ketten an folgendem beliebten Beispiel nachweisen: Stelle Dich hüftbreit hin und versuche, mit Deinen Fingerspitzen den Fußboden zu berühren. Merke Dir, wieviel Platz noch zwischen ihnen und dem Boden liegt. Wenn Du gut beweglich bist, dann messe den Abstand vom Ellenbogen zum Boden und spüre, ob es irgendwo im Verlauf des hinteren Unter- und Oberschenkels, Po oder Rücken zieht. Dann nimm einen Faszienball oder -rolle und massiere damit beide Fußsohlen für jeweils ungefähr 2 Minuten. Nun stelle Dich wieder hüftbreit hin und führe Deine Fingerspitzen erneut zum Boden. In den meisten Fällen kommst Du nun weiter nach unten und der Zugschmerz ist nicht mehr so stark wie vorher, da sich die ganze hintere Faszienkette durch die Massage an der Fußfaszie entspannt hat.

 

Wie Ihr Eure Faszien und damit Euren gesamten Bewegungsapparat fit halten könnt, erfahrt Ihr bald im nächsten Teil!

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Kathrin Prax

Physiotherapeutin mit Fortbildungen in Manueller Therapie, Lymphdrainage, Krankengymnastik am Gerät und vielem mehr, staatlich anerkannte Osteopathin, Fitnesstrainerin B-Lizenz