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Über die außergewöhnlichsten Sportler der Welt

Date

14.04.2020

Category

LIFE

Tags

/PEOPLE

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Hall of Fame: Jesse Owens

Es gibt Persönlichkeiten in der Sportwelt, die Herausragendes geleistet haben. Entweder durch Leistungen und Auszeichnungen, Rekorde, durch soziales Engagement oder einfach durch skurrile und ungewöhnliche Geschichten. Einige der Namen sind weltbekannt, andere hört Ihr vielleicht zum ersten Mal. Wir stellen Euch im Laufe dieser Serie ein paar von diesen Menschen vor: zur Inspiration, zum Allgemeinwissen oder einfach für die Freude am Sport.

 

Der größte Sportler seiner Zeit

Mit einer Körpergröße von 1,78 m konnte sich der als James Cleveland Owens geborene Athlet aus Alabama nicht gerade den Titel „Größter Sportler aller Zeiten“ verdienen. Dies ist eher seinen unglaublichen sportlichen Erfolgen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin geschuldet, die ihn in der Welt des Sports und sogar in den Geschichtsbüchern unsterblich werden ließ.

Dabei hatte es Owens Zeit seines Lebens nie leicht gehabt. 1913 geboren und aufgewachsen in einem Amerika der strikten Rassentrennung, erkämpfte er sich Dank seines erstaunlichen Sprintertalents ein Stipendium für ein College in Ohio, das sowohl schwarze wie auch weiße Studenten zusammen besuchen durften. So konnte er auch an „gemischt-rassigen“ Wettkämpfen teilnehmen, sofern er hierfür zugelassen wurde. Um nebenbei Geld für Essen und Lebensunterhalt zu verdienen, jobbte Owens an Tankstellen, als Page und als Liftboy.

Seinen Spitznamen „Jesse“, mit dem er später in die Geschichte einging, verdankte er übrigens einem Zufall: Eine Lehrerin hatte Schwierigkeiten mit seinem breiten Südstaaten-Akzent und verstand immer etwas anderes als er ihr sagte, dass man ihn eigentlich nur „J. C.“ nenne…

Jesse Owens: Der größte Sportler aller Zeitent

45 Minuten Ruhm

1935 gelang Jesse Owens mit seinen 22 Jahren zum ersten Mal ein unglaubliches Ereignis in der Geschichte des Sports: innerhalb von 45 Minuten stellte er auf einer Sportveranstaltung in Michigan fünf Weltrekorde auf, von denen er einen jedoch wieder einstellte. Er brach vor den Augen sämtlicher Trainer und Studenten die Rekordmarken beim 100- und 220-Yards-Lauf, beim Weitsprung und beim 220-Yards-Hürdenlauf. Und das alles, obwohl er sich am Vortag noch eine Rückenverletzung durch eine Keilerei im Studentenwohnheim zugezogen hatte…

Jesse Owens beim Start seines beeindruckenden Sprintst

Der Mann, der Hitler ärgerte

Trotz starker Gewissenskonflikte machte sich Jesse Owens 1936 als schwarzer US-Athlet ein Jahr später auf die Reise nach Nazi-Deutschland, um an den Olympischen Spielen in Berlin teilzunehmen – auch als persönliches Statement. Vor den Augen Adolf Hitlers und tausenden deutscher Sportfans, die an die „Überlegenheit der weißen Rasse“ glaubten, gewann Owens – übrigens ausgestattet mit inzwischen weltbekannten Markenschuhen von Adolf Dassler – vier Goldmedaillen. Dies machte ihn zudem noch zum erfolgreichsten Athleten der damaligen Spiele.

Um die Teilnahme Jesse Owens bei den Olympischen Spielen herum verbreiteten sich viele Geschichten und Gerüchte. Fraglich ist, ob Hitler ihm absichtlich den Handschlag nach den Siegen verweigerte, da sich die beiden wahrscheinlich nie persönlich über den Weg gelaufen sind. Von Owens selbst widerlegt ist auch die berühmte Geschichte, dass der deutsche Spitzenathlet Luz Long ihn vor dem Weitsprung einen wichtigen Tipp zur Technik gegeben habe. Wahr ist allerdings, dass Luz, sehr zum Ärger der deutschen Führungsriege nur auf dem zweiten Platz gelandet, seinem schwarzen Konkurrenten als erster zum Sieg gratulierte und ihn öffentlich umarmte. Die beiden freundeten sich an und waren noch Jahre nach den Spielen beste Brieffreunde.

Jesse Owens: Sieger des 220-Yards-Hürdenlauft

Die Zeit nach Berlin

Wieder zurück in Amerika fanden die Siege Owens kaum Anerkennung – weder in den Zeitungen noch vom Präsidenten. Dieser weigerte sich außerdem, den Sportler im Weißen Haus zu empfangen. Zu seiner eigenen Siegesfeier im New Yorker Waldorf-Astoria musste Owens sogar den Warenaufzug nehmen; den anderen durfte er als Schwarzer nicht benutzen.

Kurz nach Olympia beendete Jesse Owens seine Sportlerkarriere. Er verdiente sein Geld unter anderem mit der Eigenvermarktung seines Namens, indem er Schauwettkämpfe und -läufe gegen Pferde und Motorräder veranstaltete und in Varietés und Bars auftrat. Erst einige Jahre später konnte er, nach der viel zu späten Ehrung durch Präsident Eisenhower, Werbeverträge und neue Jobangebote annehmen – manche mehr, manche weniger erfolgreich.

Nach 35 Jahren Kettenrauchen starb Jesse Owens schließlich 1980 im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs.

Obwohl seine relativ kurze aber umso außergewöhnlichere Profisportler-Karriere ihren Höhepunkt vor nun mehr 84 Jahren hatte, ist der Athlet auch heute noch ein Superstar der Sportgeschichte. Und das verdient.

 

Ein weiterer, außergewöhnlicher Sportler ist Tom Brady. Hier kannst du mehr erfahren.

 

 

Bildnachweis:
Bundesarchiv, Bild 183-R96374 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-R96374, Berlin, Olympiade, Jesse Owens beim Weitsprung, Kontrastfilter, CC BY-SA 3.0 DE